Jan-Eric Reismann

Warum einfache Rezepte gewinnen

Von Jan-Eric Reismann ·

Ich habe eine ganze Reihe Rezepte, die ich genau einmal gekocht habe. Sie waren nicht schlecht. Sie hatten nur alle dasselbe Problem, nämlich vierzehn Zutaten, von denen ich vier extra kaufen musste und drei davon danach nie wieder gebraucht habe.

Ein Rezept ist erst dann gut, wenn ich es ein zweites Mal koche. Alles andere ist ein netter Abend gewesen.

Der Test ist bei mir inzwischen ziemlich stumpf. Wenn ich beim Lesen des Rezepts schon anfange, im Kopf Sachen wegzulassen, ist es zu kompliziert. Und wenn ich für ein Gericht am Dienstagabend eine Einkaufsliste brauche, dann koche ich es am Dienstagabend nicht.

Interessant ist, dass die einfachen Sachen fast immer die sind, bei denen es auf die Technik ankommt und nicht auf die Zutaten. Bratkartoffeln haben drei Zutaten und gehen trotzdem ständig schief. Nicht weil etwas fehlt, sondern weil die Pfanne zu voll ist oder man zu früh wendet. Da kann man wirklich etwas lernen, und dieses Wissen nimmt man in jedes andere Gericht mit.

Bei Rezepten mit vielen Komponenten passiert das seltener. Man arbeitet eine Liste ab und am Ende steht ein Ergebnis, aber man hat nichts verstanden.

Nikolas sieht das ähnlich, aus einer anderen Richtung. In einer Küche muss ein Gericht hundertmal gleich funktionieren, auch am Freitagabend, wenn alles gleichzeitig passiert. Was dabei übrig bleibt, sind Abläufe mit wenigen Schritten, die stabil sind. Alles, was nur bei perfekten Bedingungen klappt, fällt raus.

Zu Hause hat man dieselbe Situation, nur mit weniger Personal. Man kommt rein, ist müde, hat noch nicht eingekauft. Ein Rezept, das dann funktioniert, ist mehr wert als eins, das an einem freien Sonntag beeindruckt.

Es gibt eine Ausnahme, die ich zugeben muss. Manchmal will man genau das, einen langen Nachmittag mit vielen Schritten und einem Ergebnis, das den Aufwand rechtfertigt. Das ist dann aber ein Projekt und kein Rezept, und ich behandle es auch so. So etwas plane ich, statt es mir spontan vorzunehmen.

Für alles andere gilt bei mir eine grobe Grenze. Höchstens zehn Zutaten, davon höchstens zwei, die ich nicht sowieso im Haus habe. Was darüber liegt, muss richtig gut sein, sonst koche ich es kein zweites Mal.

Deshalb stehen hier vor allem Sachen mit wenigen Zutaten. Nicht aus Prinzip. Sondern weil das die sind, die ich tatsächlich koche.

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