Resteverwertung
Von Jan-Eric Reismann ·
Ich werfe zu viel weg. Das ist mir aufgefallen, als ich mal eine Woche lang mitgeschrieben habe, was im Müll landet. Es war ungefähr ein Drittel von dem, was ich eingekauft hatte.
Das meiste davon war kein verdorbenes Essen, sondern Reste. Ein halber Kohl. Vier Kartoffeln. Der Rest von der Sahne. Sachen, die einzeln zu wenig für ein Gericht sind und deshalb liegen bleiben, bis sie es nicht mehr sind.
Was mir geholfen hat, ist eine ziemlich simple Regel. Alles, was übrig ist, gehört in eine der drei Schubladen. Entweder es kommt in eine Suppe, oder es kommt auf ein Blech, oder es kommt in einen Teig.
Suppe nimmt fast alles auf. Gemüsereste, harte Kartoffeln, den Rest vom Lauch. Zwiebel anbraten, alles klein schneiden, Wasser drauf, dreißig Minuten. Am Ende pürieren, wenn es unansehnlich aussieht.
Das Blech ist die zweite Möglichkeit. Alles, was noch fest ist, in gleich große Stücke schneiden, Öl und Salz dazu, zweihundert Grad. Was dabei zusammen auf einem Blech landet, muss nicht zusammenpassen. Es sieht am Ende ohnehin nach einem Gericht aus.
In den Teig gehen Reste, die klein sind. Käse, Kräuter, gekochtes Gemüse. Das kann ein Pfannkuchenteig sein oder ein einfacher Rührteig für herzhafte Muffins. Funktioniert auch mit Sachen, die man sonst nicht zusammen essen würde.
Altes Brot ist ein Fall für sich. Solange es hart und nicht schimmelig ist, wird daraus etwas Besseres, als es vorher war. Semmelknödel, geröstete Würfel für die Suppe oder Semmelbrösel. Ich habe eine Tüte im Gefrierfach, in die alles Trockene wandert.
Der wichtigste Punkt ist aber gar nicht das Rezept. Es ist, dass die Reste sichtbar sein müssen. Bei mir stehen sie jetzt vorne im Kühlschrank auf einem Brett, alles auf einem Fleck. Was ich nicht sehe, koche ich nicht.
Seitdem ist es merklich weniger geworden. Nicht null, aber deutlich weniger.